Liblar hat neue Schützenmajestäten

Bis auf einen Platzregen bei Ankunft des großen Festzugs, genossen viele Zuschauer das herrliche Sommerwetter und lauschten dem Platzkonzert der Bornheimer Schützenkapelle. Zur Freude der Jungschützen präsentierte das scheidende Schützenpaar Prevoo ein T-Shirt mit Vereinslogo und verkündete die Jungschützen damit auszustatten. Beim Schießen auf der Langbahn gewann der Gartenbauverein, vor dem Karnevalsverein Klüttefunke und der Feuerwehr. Den Biervogel holten die Bliesheimer Schützen von der Stange.

Pfarrer Liviu-Vasile Bălăşcuţi kürte am Pfingstmontag den 7-jährigen Ilja Zismann zum neuen Bambiprinzen. Er errang diese Würde auf der Lichpunktanlage. Der 12-jährige Gabriel Liers trägt als neuer Schülerprinz die Schülerprinzenkette, welche während des Feldgottesdiensts verliehen. Beim Bürgervogelschießen mit der Großkaliberbüchse holte der 35-jährige Kurierfahrer Sascha Kreuter den Vogel von der Stange. Er trägt nun die neue Bürgerkönig-Kette, die das Ehepaar Andrea und Herbert Ackermann stiftete. Der wesentlich kleinere Prinzenvogel wird mit dem Kleinkaliber am Hochstand geschossen. Bei den sieben Jungschützen-Aspiranten setzte sich Julia Fassbender durch und bekam die Würde des Jungschützenprinzen verliehen.

Nachdem im vergangenen Jahr der Vogel des Schützenkönigs erst beim 221. Büchsenschuss fiel, sorgten die Vogelbauer um Josef Jung in diesem Jahr durch dünnere Hölzer und andere Verleimung für einen schnelleren Fall. Fünf Aspiranten kämpften in einem extrem spannenden Schießen um den Titel des Königs. Aspirant Paul-Bernd Dölle brachte den Vogel mit dem 64. Büchsenschuss in Schieflage. Der 51-jährige Offizier und stelv. Schießmeister Frank Habeth, siegte mit einer nervenstarken Leistung und einem gezielten 65. Schuss. Die Trophäe blieb beinahe ganz und wird bei Ihm sicherlich einen Ehrenplatz erhalten.

Schützenfest 2018

In diesem Jahr feiern wir die Schützenkönigin Michaela Prevoo. Sie trägt die schwere, silberne Königskette, die 1736 angeschafft worden ist. Es begann 1731, als der römisch-deutsche Kaiser Karl VI. seinen angesehenen kaiserlichen Kämmerer und Reichshofrat Franz-Joseph von Wolff-Metternich zur Gracht in den Reichsgrafenstand erhob. Vermutlich hatten sie gemeinsame Interessen, denn Karl VI. hatte in jungen Jahren das Handwerk des Büchsenmeisters gelernt. Er liebte die Jagd, auch wenn er selbst, kurzsichtig, kein guter Schütze war.

Nach seinem Tod 1740 übernahm seine älteste Tochter Maria Theresia die Regierungsgeschäfte der Habsburgermonarchie. Mit dem Frieden von Aachen 1748 konnte Maria Theresia ihre Macht sichern. Der Habsburger Einfluss begünstigte die Teilnahme von Schützendamen am Liblarer Königsschießen. Ein Blick in die Vereinschronik zeigt, dass es 1750 erstmalig Freifräulein Antonetta Ferdinandina Wilhelm Ferdinand Wolff Metternich und Werden zur Gracht, Canoissin zu Geiseken, gelang eigenhändig den Königsvogel abzuschießen. Sie tat dies gleich zweimal 1750 und 1751. Nach den heutigen Statuten steht Michaela Prevoo am Pfingstmontag der Ehrenschuss zu. Ein erneutes Abschießen des Königsvogels wäre nur zulässig, wenn es keine weiteren Anwärter gäbe. Dies gilt als unwahrscheinlich, da es 2017 sechs Aspiranten gab.

In den frühen Jahren durften nur Damen aus dem Adelsstand Mitglied werden, ab 1771 öffnete sich der Verein nach und nach, bis 1777 auch Bauersfrauen eintreten konnten. In der Glanzzeit des Vereins gab es zweihundert Aspiranten beim Königsschießen. Diese endete 1794 abrupt mit dem Einrücken der Franzosen. Erst 1801 war die Bruderschaft wieder erlaubt. Danach wurden weiterhin Frauen Schützenkönigin, einige schießen selbst, andere lassen schießen. So zeigt die Chronik, dass Carl Schurz 1843 für Frau Gertrud Groen und im Jahr darauf für Elisabeth Eiffler die Majestätenwürde errang. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Katharina Stegh 1984 den Wiederanfang.

Die Geschwister Janina Frings (Bezirksschülerprinz 2018) und Niklas Frings (Bambiniprinz 2018), errangen Ihren Titel nach 2015 zum zweiten Mal. Der diesjährige Schützenprinz heißt Bastian Geller.

Bericht: Simone Quantmeyer de Polack